Skandale in der Geschichte?  - Aber nicht in unserer Region!

Teilnahme am Wettbewerb des Bundespräsidenten im Rahmen unserer neuen Geschichts-AG

 

Der Wettbewerb

In diesem Schuljahr nimmt das Gymnasium Baesweiler erstmalig am Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten teil. Dieser Wettbewerb ging aus einer Initiative des früheren Bundespräsidenten Gustav Heinemann und des Industriellen Kurt Körber hervor. Sie wollten junge Menschen zur kritischen Auseinandersetzung mit den demokratischen Traditionen Deutschlands bewegen. In den letzten 37 Jahren entstanden so 25.000 Projekte von insgesamt 120.000 Teilnehmern zu gesellschaftlich relevanten Themen wie "Alltag im Nationalsozialismus" (1980/81) oder "Helden: verehrt - verkannt - vergessen" (2008/2009).

"Ärgernis, Aufsehen, Empörung: Skandale in der Geschichte" ist das aktuelle Thema, mit dem sich SchülerInnen unseres Gymnasiums befassen. Neben den ausgeschriebenen Preisen als Motivation und dem Spaß am selbstständigen Arbeiten birgt das Engagement in der AG noch weitere Vorteile für die Teilnehmer. So werden im Verlauf des Projekts Fertigkeiten geschult, welche für ein späteres Universitätsstudium unverzichtbar sind. Recherchieren, Organisieren und das Verfassen einer wissenschaftlichen Arbeit sind nur ein paar Beispiele.

Die AG

Die SchülerInnen treffen sich wöchentlich in einer Geschichts-AG, um mit den Geschichts- ReferendarInnen Frau Schöning, Herrn Esser und Herrn Schoenen an diesem Projekt zu arbeiten. Die TeilnehmerInnen haben sich dafür entschieden zum Fall Schwerte/Schneider zu recherchieren, da dieser aufgrund seiner regionalen Bezüge für die SchülerInnen besondere Möglichkeiten der Recherche bietet.

Ein Fall...

Professor Dr. Hans Schwerte war seit 1965 Professor für Neuere deutsche Literatur an der RWTH Aachen, von 1970 bis 1973 war er ihr Rektor. Er war Träger des Bundesverdienstkreuzes. 1978 emeritierte er. Mitte der 90er Jahre wurde jedoch bekannt, dass Professor Dr. Hans Schwerte eine weitere Identität besaß, seine Verdienste als Germanist  wurden durch einen Betrug in seiner Biographie infrage gestellt.

Prof. Dr. Hans Schwerte wurde nämlich als Hans Schneider geboren. Dieser Hans Schneider war Hauptsturmführer der SS und wurde mit Menschenversuchen in Dachau in Verbindung gebracht. Als sich abzeichnete, dass die Nationalsozialisten den Krieg verlieren würden, nutzte er seine Geheimdienstkontakte, um seine Identität zu wechseln.

Die Enttarnung erfolgte letztlich durch Studierende der RWTH, die Gerüchten über eine Nazi-Vergangenheit Schwertes nachgingen. Sie konnten nachweisen, dass Hans Schwerte und Hans Schneider dieselbe Person ist. Schwerte alias Schneider wurden seine Pension und der Professorentitel entzogen, sein Bundesverdienstkreuz musste er ebenfalls zurückgeben.

...wird zum Projekt

Die Mitglieder der Geschichts-AG befassen sich mit der Frage, wie die Öffentlichkeit auf diese Entdeckungen reagierte. Die Fortsetzung der Karrieren ehemaliger Nationalsozialisten in der frühen Bundesrepublik war keine Seltenheit. Wie reagierte aber die Öffentlichkeit auf die Enttarnung eines Identitätswechsels? Wie wurde Schneiders Entscheidung, sich von seiner früheren Profession, der Medizin, auf die Germanistik zu verlegen, gewertet?
Zu diesen Fragen recherchieren die Mitglieder der Geschichts-AG unter anderem im Zeitungsarchiv. Außerdem wollen sie Professor Dr. Ludwig Jäger, der am Institut für Sprach- und Kommunikationswissenschaft der RWTH Aachen lehrt, interviewen. Er hat sich in seiner Publikation "Seitenwechsel. Der Fall Schneider/Schwerte und die Diskretion der Germanistik" mit dem Fall Schwerte/Schneider auseinandergesetzt.

Text:     Maria Schöning
    Christoph Esser
    Jörg Schoenen

Letzte Änderung: 09.01.2011