Sie sind hier: Schüler / AGs / Projek... / EURIADE 2016

EURIADE 2016

Drei Schülerinnen des Baesweiler Gymnasiums waren dabei

Im Jahr 2016 nahmen erstmals drei Schülerinnen der Jahrgangsstufe EF (Einführungsphase) des Baesweiler Gymnasiums an dem Projekt EURIADE teil. Vom 10. bis zum 18. November trafen sich Jugendliche aus verschiedenen Ländern, Kulturen und Religionen, wie z.B. aus Südafrika, Russland, der Ukraine, den Philippinen, Serbien, Rumänien, Belgien und den Niederlanden, um nur einige zu nennen, in der Abtei Rolduc in Kerkrade. Sie bekamen hier die Gelegenheit im Gespräch miteinander den "WEG ZUM JEWEILS ANDEREN" zu finden, d.h. bei den unterschiedlichen Anlässen und Gelegenheiten ins Gespräch zu kommen. Erwähnenswert ist hier besonders der gemeinsame Besuch von Behindertenwerkstätten, der nicht nur Empathie weckte, sondern auch aktive Arbeit mit Behinderten beinhaltete. Darüber hinaus gaben Diskussionen mit Politikern, hochkarätige klassische Konzerte, Besuch von Erinnerungsstätten, Workshops zum Modern Dance, aber auch die Tatsache, dass die Jugendlichen national gemischt im Hotel untergebracht waren, ständig neue Anlässe für interkulturelle Gespräche in der Festivalsprache Englisch.

Den Abschluss der Woche "Jugend im Dialog" und gleichzeitig den Höhepunkt bildete die Verleihung der Martin-Buber-Plakette. Am 18. November wurde der Staatspräsident von Rumänien, Klaus Johannis, ausgezeichnet. Der Preisträger war aufgrund seiner humanen Einstellung und seines durch Respekt vor den anderen gekennzeichneten Auftretens ausgewählt worden. Seine politische und gesellschaftliche Verantwortung, die er in Rumänien und in Europa übernommen hat, wurde mit der Verleihung der Martin-Buber-Plakette gewürdigt. Nach dieser Veranstaltung, die in der Aula Major der Abtei Rolduc stattfand, endete das Festival der Jugend. Die drei Schülerinnen können auf ereignisreiche, beeindruckende Tage mit nachhaltigen Erlebnissen und Erfahrungen zurückblicken. Diese Eindrücke berichten sie jeweils in eigenen Darstellungen.

Seit 2003 werden mit der Martin-Buber-Plakette Persönlichkeiten ausgezeichnet, die auf "verantwortungsvolle Art und Weise im Leben stehen", zuhören können und tatsächliche Antworten auf die Fragen und Nöte ihrer Mitmenschen geben. Diese Plakette haben bereits Persönlichkeiten wie Helmut Schmidt, Dr. Richard von Weizsäcker, Karl-Heinz Böhm, Hans Dietrich Genscher, Michael Gorbatschow und Königin Sylvia von Schweden erhalten.

Die EURIADE ist eine seit vielen Jahren bestehende Veranstaltungsreihe der Städte Kerkrade und Herzogenrath, organisiert von Prof. Werner Janssen, dem Direktor der Martin Buber Universität in Kerkrade. Mit den EURIADE-Aktivitäten wird beabsichtigt, Jugendliche in vielen Situationen und unterschiedlichen Anlässen zusammenzubringen, damit sie darüber ins Gespräch kommen. Die Grundidee dazu basiert auf der ICH-DU-Philosophie des Religionsphilosophen Martin Buber (1878-1965), der mit seinem sog. "dialogischen Prinzip" Menschen zum Zuhören und verantwortungsvollen Tun bewegen wollte.

"Der Mensch begegnet einem Fremden, Unbekannten, ANDEREN und wird - wenn er sich ihm öffnet, wenn er zuhört - von jenem angesprochen, gefragt, herausgefordert. Dabei wird ein jeder erfahren, wie sich das eigene Ich durch die Beantwortung der Fragen bzw. die Verantwortung jenes ANDEREN weiter bildet und entwickelt. Nicht von ungefähr bedeutet EURIADE - abgeleitet vom Hebräisch/Griechischen Ereb/Odos - Weg zum Unbekannten, Anderen" (www.euriade.net).

Juni 2017, Gabriele Abel-Olsen


Es folgen die Berichte der einzelnen Schülerinnen:

Am Dienstag, dem 15. November 2016, hatten wir die Gelegenheit uns mit den Politikern Sabine Verheyen (Mitglied des Europaparlaments) und Franz-Josef Lersch-Mense (Minister für Bundesangelegenheiten und Europa) zu unterhalten und eine Diskussion zu führen. Am Anfang wurde uns ein kleiner Film gezeigt, der uns in das Thema "Menschenrechte" einführte. Daraufhin erklärten beide Politiker ihre Definition von Menschenrechten. Jugendliche stellten Fragen, welche auch (größtenteils) von den Politikern beantwortet wurden. Die Fragen bezogen sich auf persönliche Meinungen und Ideologien, aber auch auf aktuelle politische Themen - wie man die EU empfindet, die Bildungschancen und das Engagement in der dritten Welt, die Asylpolitik etc. Viele Jugendliche zeigten sich interessiert selber etwas zu bewirken.

Zwischendurch wurden Filme gezeigt, die in ein anderes Thema überleiten sollten. Es war ein gutes Gefühl, dass uns Personen in politisch hohen Positionen zugehört haben und ein offenes Ohr hatten. Jedoch war die Zeit sehr begrenzt, weshalb viele Fragen offen blieben und nicht gestellt werden konnten. Es dauerte etwas, bis es zu einer richtigen Diskussion kam, da es zu Beginn eher wie ein "Frage-Antwort"-Gespräch schien. Da hätte man in der Umsetzung den Meinungsaustausch und die Diskussion mehr fördern können. Als es dann zu einer Diskussion kam, war auch schon die Zeit vorüber. Im Ganzen sehe ich jedoch positiv auf dieses Gespräch zurück. Meiner Meinung nach hätte man für diesen Projektpunkt mehr Zeit einplanen können, sodass auch jeder eine Antwort auf seine Frage bekommen hätte.

Ich bin froh diese Erfahrung gemacht zu haben und kann nur befürworten, dass weiterhin ein Dialog zwischen Jugendlichen und Politikern gefördert wird. Er weckt nicht nur das Interesse des Einzelnen, sondern erweitert auch das Wissen über aktuelle Themen und bezieht Jugendliche aktiv in die Politik ein, was das Engagement verbessern kann. Durch den Meinungsaustausch lernt man außerdem andere Sichtweisen kennen.

Die Euriade 2016 war eine tolle Erfahrung für mich. Obwohl wir alle aus verschiedenen Ländern angereist sind und deshalb die Kommunikation nur auf Englisch ablaufen konnte, wurden gute Freundschaften geschlossen, selbst zwischen Personen aus Ländern, die einen politischen Konflikt untereinander haben. Ich kann behaupten, dass ich seither weltoffener bin und gelernt habe, ohne Vorurteile auf Personen zuzugehen.

Hiermit danke ich allen, die dies ermöglicht haben!

Beyza Kadioglu


Konzert mit Ramon Jaffé und Serafina Jaffé

Sonntag, 13. November 2016

Der mit verschiedenen Programmpunkten gefüllte erste Tag der EURIADE endete mit einem Konzert des Vater-Tochter-Duos Ramon Jaffé (Cello) und Serafina Jaffé (Harfe).

Ich bin mit keinen Erwartungen in das Konzert gegangen. Es war ja schließlich ‚nur' klassische Musik. Das Konzert fand in der Rokoko Bibliothek der Abtei Rolduc statt, welche wir Jugendlichen bereits am Mittag bei einer Führung kennengelernt hatten. Neben den Klängen von Harfe und Cello befand ich mich nun in diesem beschaulichen historischen Ambiente inmitten des ganzen historischen Mobiliars und der alten Bücher. Das Konzert erstreckte sich ungefähr über den Zeitraum einer Stunde. Es wurde ein breites musikalisches Spektrum geboten, wobei die Stücke teilweise einzeln und auch als Duett vorgetragen wurden. Stücke wie "Prayer" von E. Bloch, "Harfenkonzert B-Dur" von G. Fr. Händel, "La source" von A. Hasselmanns wie auch ein selbst komponiertes Stück von Ramon Jaffé "Cante de pasión - Fantasia flamenca" standen auf dem Programm. In jeder Note, die von Vater und Tochter gespielt wurden, hörte ich ihre Leidenschaft für Musik.

Meiner Meinung nach war das Konzert insofern ein sehr interessanter Programmpunkt, als ich mich einmal einer Musikrichtung widmen konnte, für die ich mich bisher noch nicht interessiert hatte. Eine Musik live zu hören lässt ganz andere, positive Gefühle für diese Musik entstehen. Nach diesem langen Tag mit den vielen Programmpunkten war es jedoch schwer, bei dem Konzert konzentriert zu bleiben, was eigentlich sehr schade war. Eine halbe bis dreiviertel Stunde Konzert hätte ich besser aufnehmen und genießen können.

An den folgenden Tagen durfte ich Serafina näher kennenlernen, da sie mit uns allen die Woche der EURIADE in Rolduc verbrachte. Bei der Preisverleihung der Martin Buber-Plakette konnte ich noch einmal der Musik von Serafina und ihrem Vater lauschen.

Die EURIADE gab mir bzw. uns allen die Chance neue Musikrichtungen, insbesondere die klassische Musik, besser kennen zu lernen, denn jeden Abend hatten wir die Gelegenheit an einem Konzert teilzunehmen. Das Konzert von Ramon Jaffé und seiner Tochter Serafina war ganz überraschend zum Highlight meines Tages geworden, womit ich anfangs gar nicht gerechnet hätte. In der Woche der EURIADE und besonders am Tag des Konzertes entwickelte ich tatsächlich ein Interesse an klassischer Musik, möglicherweise auch durch Serafina hervorgerufen, die jederzeit für Fragen offen war und mit einer Leidenschaft über die Musik sprach, wie ich sie vorher noch nie erfahren hatte.

Ich bin dankbar für die Chance, dass ich bei diesem Projekt der EURIADE nicht nur viele unterschiedliche Menschen aus aller Welt kennenlernen konnte, sondern auch erfahren habe, wie schön klassische Musik ist.

Julia Berwanger


FIRST DIALOGUE WITH POLITICIANS

I wasn´t expecting that....

On November 15 at noon there was a political forum where Sabine Verheyen (member of the European Parliament), Dr. Margrethe Schmeer (mayor of the city of Aachen) and Franz-Josef Lersch-Mense (secretary of federal affairs, Europe and media affairs in North Rhine-Westphalia) participated in a panel discussion about current politics with teenagers of the Euriade. It took place at the "Apollocinema" in Aachen.

When I think of the Euriade I remember unity, freedom and open-minded and honest discussions. I know it´s often difficult to open up to strangers, to embrace new experiences and be self-assured. It is probably even harder to speak to politicians like we did that Tuesday. We had the opportunity to ask them questions about topics like "human rights", "education" and "refugees". To me, it seemed to be a very interesting discussion, sadly they kept their answers rather vague. Maybe the two politicians didn´t really take us youngsters seriously. So I got up to take part in the discussion. Honestly, I was extremely nervous, but not because I was going to speak to politicians, I was nervous about what I actually wanted to say. They talked about refugees and that no one in the European Parliament had expected so many of them, and this made me kind of sad and angry. I felt betrayed because if it´s really the truth that none of them expected so many refugees, then I don´t know what to think about politics in general. I´m from Southern Italy and even I know the situation and I also know what actually is going on there.

And because of that I got up. I said that somewhere in this world there is a girl who has the same abilities as me, who might be smarter, prettier and more talented than me. This girl has dreams and desires. This girl deserves a good life and she deserves a voice to say whatever she wants to say, but she can´t. Because she sits in a refugee camp. My question was: Why? Why was I lucky enough to live in a country without war and why was this girl unlucky and  born in a country where there was a war going on? I asked them how it was possible that something like that happened and I know I wasn't going to get an answer, but I was okay with that. They also talked about following ideologies and they said that if the whole world followed the same ideals and values there wouldn't be problems and no one would feel excluded. I said that this sounded funny to me because people who start wars are actually people who want  everyone to follow their ideology. So I asked them where the difference was. I wanted to say that somewhere there are people who are better humans than we are and have to live under those circumstances and suffer from the mistakes made here. This situation is created by people who want their ideology to be the only one and people wanting to fight this lose everything when raising their voice. As I finished the two politicians were perplexed and didn´t know what to say. One of them felt attacked and tried to defend herself. She said that this was supposed to be just a Q & A, a question and answer session, and not an open discussion. I said nothing because I knew that this shouldn´t be just a  monologue, this should be a dialogue. And without the two politicians answering my questions I felt genuinly happy. Without the Euriade and the whole project I wouldn´t even have had the opportunity to talk to politicians and to raise my voice for all those people who have no voice. I felt happy that I was brave enough to clear things up, to give my opinion and maybe to influence both politicians. Even if I didn´t change the world with the words I said I was satisfied because Youth in Dialogue gave me this chance.

Actually I can just say that I really learned something for life here and that everyone getting the oppurtunity should be open to this great experience.

Annamarisa Colonna

Letzte Änderung: 11.06.2017